Neues aus der Wissenschaft
Zooplanktonfang bei Steinkorallen
Die Notwendigkeit des Fütterns von Korallen im Riffaquarium wird unter Meeresaquarianern mit viel pro und kontra diskutiert. Tatsache ist, daß Steinkorallen in der Natur Plankton fangen und fressen, um im nährstoffarmen Millieu Meerwasser an Stickstoff-, Phosphor- und andere Nährstoffquellen zu kommen. Im oft wesentlich nährstoffreicheren Millieu Aquarium sind sie an diese Nahrungsquelle nicht gebunden, da Korallen die Nährstoffe auch direkt aus dem Wasser aufnehmen können (Anmerkung KORALLIN: optimal möglich mit KORALLIN Life).

Amerikanische Wissenschaftler um K. P. SEBENS (Marine Science Center, Northeastern University, Nahant, Massachusetts) haben die Nahrungsgewohnheiten von zwei karibischen Steinkorallen Madracis mirabilis und Monastrea cavernosa in Feldstudien bei Jamaica untersucht und überraschende Erkenntnisse gewonnen:

Die untersuchten Korallen sind von der Morphologie her grundverschieden. Madracis mirabilis besitzt kleine Polypen und ein verzweigtes Wachstum mit einer relativ hohen Oberfläche, während Monastrea cavernosa große Polypen besitzt und zu den abgerundeten kompakten Korallen mit einer kleinen Oberfläche zu rechnen ist. Die Korallen wurden von potentieller Beute abgeschirmt und danach für 15 - 20 Minuten in ein mit Zooplankton angereichertes Milieu eingebracht. Nach dem Ende des Versuchs wurden die Korallen fixiert, um das Verdauen der aufgenommenen Planktonorganismen zu verhindern. Das gefangene Plankton wurde aus dem Magen (Coelenteron) der Korallen isoliert. Mittels Zooplanktonpumpen wurde das restliche Plankton der Isoliergefäße am Ende der Einzelversuche abgepumpt. Nach jedem Versuch wurden die Planktonselektivität und die gefangene Planktonmengen bestimmt.

Überraschenderweise waren beide Werte für ungewöhnlich große Futtersorten hoch, während die Aufnahme von Copepoden - die gewöhnlich im Plankton dominieren - relativ gering war. Obwohl beide Korallen unterschiedliche Polypengrößen besitzen, fingen sie bevorzugt die gleichen größeren Nahrungsbrocken, wenn alle Planktonorganismen kombiniert angeboten wurden. Madracis mirabilis mit den kleineren Polypen fing weit mehr Plankton pro Korallenbiomasse als Monastrea cavernosa mit den großen Polypen.

SEBENS et al. meinen, daß die großen Unterschiede der Fangmengen der einzelnen Beuteorganismen mit dem Entschlüpfen kleinerer Organismen oder dem Meiden der Korallennähe durch bestimmte Organismengruppen zu begründen sind.

Literatur:

SEBENS, K.P.; VANDERSALL, K.S.; SAVINA, L.A.; GRAHAM, K.R.: Zooplankton capture by two scleractinian corals, Madracis mirabilis and Monastrea cavernosa, in a field enclose.

Marine Biology 1996) 127: 303-317