
Plötzlich auftretende Schmieralgen stellen den Aquarianer vor nicht zu lösende Probleme: immer größer werdende Flächen werden von ihnen überwuchert, Korallen machen nicht mehr richtig auf. Die Ursachen für das Auftreten in eingefahrenen Aquarien sind nicht eindeutig geklärt. Ich möchte an dieser Stelle meine eigenen Erfahrungen weitergeben.In meinem Aquarium, welches seit sieben Jahren ohne Problemfälle in Betrieb ist, traten vor vier Monaten rote und grüne Schmieralgen auf. Ich versuchte sie durch Absaugen zu entfernen. An immer neuen Stellen traten die Schmieralgen auf; besonders auf dem Korallenbruch am Boden breiteten sie sich besonders schnell aus. Die Wasserwerte waren all die Jahre konstant: Nitrat unter 6 mg/l, Nitrit nicht nachweisbar, pH-Wert 8,2 - 8,5, Calcium 400 - 450 mg/l. Die Beleuchtung besteht aus zwei HQI-Brennern und zwei Blaulichtröhren mit jeweils 18 Watt.
Ein Wechsel der alten HQI-Brenner (NDL) gegen zwei neue 150-Watt-Brenner (D) brachten auch nach 2 Monaten keine Besserung. Die Schmieralgen waren durch das Absaugen nicht unter Kontrolle zu bringen. Ich entschloß mich dann, das Wasser nur noch über den Abschäumer (150 cm hoch) reinigen zu lassen. Aus dem Rieselfilter wurden die 20 Liter Tonröhrchen entfernt. Aus dem submersen Biofilter wurden 80 Liter grober Korallenbruch entfernt.
Da ich den teuer erworbenen Korallenbruch nicht wegschütten wollte, verbrachte ich ihn ungewaschen in ein 400-Liter Algenbecken, welches ebenfalls in den Kreislauf mit einbezogen ist. Die Ergebnisse sahen so aus: Nach 14 Tagen war der gesamte Korallenbruch im Algenbecken mit roten Schmieralgen überzogen. Auf dem Schmieralgenbelag waren unzählige Sauerstoffbläschen, die ganze Fladen der Schmieralgen an die Wasseroberfläche rissen. Bei wiederholten Messungen zeigte sich, daß der Nitratwert weiterhin bei unter 6 mg/l lag.
Ich entfernte nun aus dem 400-Liter-Becken den gesamten Korallenbruch und auch den Bodengrund, der aus einer 5 cm hohen Schicht aus feinem Korallensand bestand. Die Menge an Detritus, die dabei aufgewühlt und dann entfernt wurde, übertraf jedes vorstellbare Maß. In diesem Becken befinden sich jetzt nur noch einige lebende Steine und einige Caulerpa-Arten. Die Schmieralgen in diesem Becken sind nach weiteren 14 Tagen bis auf einige Restbestände an schwer zugänglichen Stellen völlig verschwunden. An einigen Stellen lösen sich Schmieralgenflecken von selbst auf.
Aus meinen Beobachtungen ziehe ich folgende Schlüsse: manche Schmieralgen werden nicht ursächlich durch belastetes Wasser (hoher Nitratwert) ausgelöst. Sie treten in unbelastetem Altwasser auf. Die Existenzgrundlage für die Schmieralgen ist Detritus im Bodengrund, im Biofilter und im Rieselfilter. Die wirksamste Bekämpfung der Schmieralgen besteht im Entfernen des Detritus. Eine Filterung über submersen Biofilter und Rieselfilter ist auf lange Sicht Hauptursache für Schmieralgen. Auf diese Art Filterung sollte verzichtet werden.
Eine effektive Abschäumung ist die einzig richtige Methode, um ein Korallenriff-Aquarium erfolgreich über Jahre zu pflegen. Unbedingt nötig ist ein kleiner wöchentlicher Wasserwechsel von 1-2% des Nettovolumens.
Noch wichtiger ist die regelmäßige Zugabe von Spurenelementen. Läßt man die Spurenelemente weg oder dosiert man eine zu geringe Menge, machen Leder- und Weichkorallen nicht mehr auf, ziehen sich zusammen und zeigen nur noch selten ihre Tentakeln. Steinkorallen stellen das Wachstum ein und fangen an auszubleichen. Ich verwende für die Zugabe von Spurenelementen Korallin S plus in der vom Hersteller angegebenen Dosierung.
J. Kastl